TIPP 6: WARTEN SIE AUF EINE ÄNDERUNG DES WETTERS ODER DES LICHTS...
Wir reisen zurück in den November 2021. Es war nach der zweiten Covid‑Welle – eine sehr schwierige Zeit für unser Geschäft. Im ersten Jahr waren Reisen in die Niederlande sogar verboten, und auch im zweiten Jahr war es mit all den geltenden Einschränkungen alles andere als einfach. Zu allem Überfluss wurde der französische Bootsführerschein von den niederländischen Behörden nicht mehr anerkannt, da Frankreich nicht alle ICC‑Resolutionen unterzeichnet hatte. Ich erhielt einen Anruf von Marc, einem französischen Kunden, der seit über 20 Jahren jedes Jahr mit seinem eigenen Angelboot zum mächtigen Volkerak hinunterfährt. „Was soll ich tun? Ich höre, dass man in Holland Boote zurückschickt und Bußgelder verteilt. Kannst du uns guiden?“
Der erste Guiding‑Tag brachte einige Fische, aber nichts Besonderes. Es war eisig kalt und typisch November: sehr dunkel und trüb. Also entschied ich mich am zweiten Tag für Qualität. Doch das lief zunächst gar nicht gut. Auf dem ersten Spot machten wir eine lange Drift von 700 m ohne das geringste Lebenszeichen. Dann starte ich die Drift in die entgegengesetzte Richtung neu, aber wieder keine Bisse. Ich beginne die Drift zum dritten Mal, doch ich merke, wie die Stimmung der Männer in den Keller sinkt. Wieder keine Aktion. Ich versuche, die Motivation hochzuhalten, und sage, dass ich absolut sicher bin, dass die großen Damen hier stehen. Stur wie ich bin, starte ich die Drift zum vierten Mal. Französische Kunden sind oft hervorragende Angler, aber manchmal auch ungeduldig :-) Doch auch diesmal kein Biss. Die Männer sagen: „Hans, was bist du für ein Guide, hier ist kein Fisch!“ Genau in diesem Moment sehe ich im dunklen Wolkendach einen Sonnenstrahl, eine kleine Öffnung, die durch den Wind genau auf uns zutreibt, und sage:
Sie stimmen zu, und wir starten die Drift nun zum fünften Mal! Und dann passiert auf diesem ersten Spot genau das, worauf ich die ganze Zeit gehofft hatte: Das kleine bisschen Sonne und Licht bringt die Damen zum Fressen. Kaum wärmt dieser Sonnenstrahl unseren Tag, da krümmt sich Marcs Rute komplett! Eine Explosion an der Oberfläche verrät einen kapitalen Hecht! Ein brutaler Drill folgt, und erst nach mehreren Minuten können wir – zur Freude aller – das Prachtexemplar landen: eine fette Volkerak‑Hechtdame von 125 cm!!! Nach all den Jahren Angeln war es zudem Marcs persönlicher Rekord. Riesige Freude an Bord.
Als wir die Dame zurücksetzen, treiben wir nur 15 m weiter – und wieder FISH ON!!! Eine zweite Volkerak‑Königin von 116 cm kommt vor die Kamera. Die Hechte kommen weiter, doch das Wetter zieht wieder komplett zu. Am Ende der Drift lassen mich die Männer selbst ein paar Würfe machen – und auch ich darf einen fangen: der dritte Meterhecht dieses „fischlosen“ Spots: 103 cm
Würziges Detail: Auf dem zweiten Spot desselben Nachmittags kam noch ein 118er an Bord – und das alles, während wir beim Einlaufen hörten, dass die (wenigen) anderen Boote komplett blank geblieben waren!
CHANGE OF LIGHT !!!
Ein extrem trüber Novembertag – und trotzdem wieder ein absoluter Top‑Tag!
Unvergessliche Erinnerungen.